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Quelle: Bild von kai kalhh auf Pixabay

Digitale Revolution? Trends und Digitalisierung in der Kultur.

| FORUM Redaktion

Die Digitalisierung hat längst nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens erreicht und zahlreiche Geschäftsprozesse sowie -modelle nachhaltig verändert: Musik wird heute selten noch auf physischen Tonträgern gekauft, sondern gestreamt, Filme und Serien werden nicht mehr nach linear festgelegtem TV-Programm gesehen, sondern zeit- und ortsunabhängig. Und Apple startet gerade (vorerst nur in den USA) einen neuen Zeitungsdienst – die nächste Disruption, nachdem Apple vor mehr als 10 Jahren mit iTunes und der digitalen Verfügbarkeit einzelner Tracks das klassische CD-Modell zerstört hat.

Und wie sieht es mit der Digitalisierung im klassischen Kulturbetrieb aus? Ist dieser eines der letzten „gallischen Dörfer“, das der Digitalisierung erfolgreich trotzt? Oder sind digitale Prozesse auf und jenseits der Bühne längst Normalität? Ist die Digitalisierung eher Gefahr oder Chance für die Kunst? Die Antworten auf diese Fragen fallen sehr unterschiedlich aus, je nachdem, welchen Teilbereich einer Bühnenaufführung man betrachtet.

Licht ...

Bei der Vermarktung sind für eine Vielzahl der Veranstalter Medien wie Internetseite und soziale Netzwerke alles andere als „Neuland“, sondern haben sich als erfolgversprechende Kanäle etabliert, um ein breites Publikum oder spitze Zielgruppen anzusprechen. In Suchmaschinenoptimierungen und -marketing, Kampagnenmanagement, Lookalikes, Retargeting, Recommendation und so weiter sind hohe Investitionen getätigt worden und werden auch zukünftig getätigt werden. Hier ist die Digitalisierung also Tagesgeschäft, genauso wie im Ticketing – wo der Digitalisierungsgrad vom Online-Ticketshop bis hin zum Wallet-Ticket reicht – sowie der kompletten Verwaltung des Kulturbetriebs.

Auch im Hinblick auf die Inszenierung selbst arbeiten viele Gewerke von der Beleuchtung bis hin zum Ton schon seit Jahren mit digitaler Technik. Doch dramaturgisch gesehen spielen moderne Technologien bei einer Vielzahl von Aufführungen keine (bedeutende) Rolle. Seit Jahren gibt es experimentelle Theaterformen, die immer wieder die Grenzen des technisch Denk- und Machbaren ausreizen und mit Immersion, also dem Eintauchen in neue, fiktive Welten mithilfe von virtueller Realität (VR), spielen. Oder Tanz-Performances, bei denen Menschen gemeinsam mit Robotern auftreten. Oder Versuche wie beim Britischen National Theater, die Untertitelung mithilfe von Augmented Reality (AR) bereitzustellen.

... und Schatten.

Doch viele dieser Versuche rangieren meist noch auf dem Niveau von Jahrmarkt-Novitäten, die häufig nur für einen kleinen Kreis erlebbar sind. Zwar verfügen diese kurzzeitig über einen gewissen Reiz, dieser wird dann jedoch schnell durch negative Begleiterscheinungen zunichtegemacht – beispielsweise durch Schwindel, ausgelöst durch die VR-Brille. Zudem zeigt sich immer wieder, dass auch heute noch die performativen Künste ihr Momentum erst in der Co-Präsenz von Darstellern und Zuschauern richtig zur Entfaltung bringen können: Kunst entsteht immer noch im Moment und genau dann, wenn Künstler und Zuschauer die gleiche Luft einatmen. Konserven sind nicht interessant, wie die immer geringer werdende Anzahl von Theateraufzeichnungen im Fernsehen und letztendlich die Schließung des ZDFtheaterkanals vor einigen Jahren mangels geringer Zuschauerzahlen zeigen.

Digitale Chancen und Möglichkeiten

Das Ende der Fahnenstange des technologischen Fortschritts ist jedoch im Kulturbereich noch nicht erreicht – früher oder später werden auch hier weitere neue Technologien Einzug halten. Beispiel Blockchain: Mittels dieser dezentralen, transparenten und unveränderlichen Datenbankstruktur könnte dem Ticket-Schwarzmarkt ein Riegel vorgeschoben werden, indem Ticketverkäufe protokolliert und öffentlich einsehbar werden. Zwar ist dies aktuell noch nicht praktikabel – die Transaktionen sind langsam und teuer, so dass diese bei einem Onsale einer sehr nachgefragten Veranstaltung oder Tournee schlichtweg jeden Rahmen sprengen würden.

Auch der Einsatz von Machine Learning (Künstlicher Intelligenz - KI) ist denkbar, zum Beispiel bei Auswertungen, bei Marketing-Automation oder der Erkennung von Ähnlichkeiten für die Segmentierung im Marketing. Allerdings mit Einschränkungen: Denn damit KI sinnvoll eingesetzt werden kann, muss diese jedoch mit möglichst vielen Datensätzen gefüttert werden, so dass sogenannte Deep-Learning-Effekte erzielt werden können. Während große Kultureinrichtungen oder Serviceanbieter wie EVENTIM diese beisteuern und damit von KI profitieren könnten, ist offen, inwieweit kleine, autonome Kultureinrichtungen mit einem sehr ausdifferenzierten Angebot diese Datenbasis bereitstellen könnten. 

Am digitalen Puls der Zeit

Um Trends zu erkennen und diese für Kunden nutzbar zu machen, setzt EVENTIM auf konstanten Austausch mit seinen Kunden sowie einer intensiven Beobachtung von Märkten und Branchen. Dabei ist es der Anspruch des Unternehmens, Technologien und Entwicklungen neutral zu bewerten. Denn nicht jeder Trend setzt sich letztendlich auch durch und das Aufspringen auf jeden Zug würde unendlich viele Ressourcen binden – personell und finanziell. Sobald jedoch ein Trend als nachhaltig identifiziert und dieser für eine breite Masse von Kunden (Veranstaltern) sowie Nutzern (Besuchern) als relevant eingestuft worden ist, werden bei EVENTIM alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die entsprechenden Funktionalitäten abzubilden und so das Produkt in allen Facetten nah am digitalen Puls der Zeit zu halten.

Anmerkung: Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in FORUM 1/2019. Das vollständige Heft kann unter www.eventim-inhouse.de/forum/ eingesehen werden (nur für registrierte Benutzer).

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