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System W – So begann Business Intelligence

| Rainer Glaap

Von 1984 bis 1987 arbeite ich in Köln bei der Comshare AG. Das Unternehmen kommt ursprünglich aus dem Timesharing-Business, d. h. es lebt vom Verkauf von Rechenzeit. Das Geschäft funktioniert nicht mehr so gut und bei der Suche nach einem neuen Geschäftsfeld entscheidet sich das Management in der Zentrale in Ann Arbor, Michigan, für eine Produktpalette rund um das Thema Management-Unterstützung (Decision Support Systems, DSS). Zu der Zeit haben Manager in der Regel (noch) keinen Rechner auf ihrem Schreibtisch, sondern lassen sich Auswertungen auf Papier liefern, manchmal auf großen Stapeln Papier. Die neue Software ‚System W‘ (von der Marke ‚Wizard‘ ist man schnell wieder abgekommen, weil ein französischer Toilettenreiniger so heißt) soll auf Terminal-Bildschirmen laufen und erlauben, die unterschiedlichsten Datenquellen über SQL-Kommandos miteinander zu verbinden und neue Auswertungen zu erlauben.

BM-PCs verbreiten sich aber in immer mehr Unternehmen und Comshare bietet für sein eigentlich mainframebasiertes ‚System W‘ eine PC-Komponente an – grafische Auswertungen auf dem PC-Bildschirm, der zu der Zeit eigentlich noch von Zeichendarstellungen von 80 Zeichen in 40 Zeilen dominiert wird – die grafischen Qualitäten von Computermonitoren sind noch eher rudimentär. Die Software imponiert Kunden und Kollegen durch einfach zu erzeugende Kuchen- und Säulengrafiken, hat aber den Fehler, dass sie exakt die vorhandenen 640 KB Hauptspeicher des MS-DOS-Standards ausnutzt. Das bedeutet für den deutschen Markt, dass der Tastaturtreiber für die deutsche Tastatur (ca. 5 KB groß) nicht mehr geladen werden kann – damit wird der PC für deutsche Benutzer unbrauchbar, denn Umlaute fehlen ganz und die Sonderzeichen liegen alle auf anderen Tasten als gewohnt. Die Lösung: Mit jeder PC-Lizenz liefern wir extra für diesen Zweck bestellte Tastaturen im US-Layout aus – es gibt zwar immer noch keine Umlaute, aber wenigstens sieht man die Sonderzeichen wie Bindestriche etc. im Klartext auf der Tastatur.

Möglicherweise habe ich einige Zwischenstufen ausgelassen, aber DSS (Decision Support Systems) mutiert über die Zeit zu EIS (Executive Information Systems), dann zu CPM (Corporate Performance Management) und später zu BI (Business Intelligence). BI ist heute noch ein Standard in Unternehmen – immer noch mit den gleichen Versprechungen wie damals: Laien ohne Programmierkenntisse können sich ihre eigenen Berichte zusammenbauen.

Die Herausforderung ist – damals wie heute: Wie bekommt man die Komplexität beherrscht? Und damals wie heute ist die Antwort auf dieses Problem nicht leicht. Sowohl Datenstrukturen als auch Ergebnisse wollen in einfacher Weise dargestellt werden. Wer sich aber mit Excel auskennt und Pivot-Tabellen beherrscht, ist auf dem besten Weg zum BI-Anwender.

 

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