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Quelle: Pixabay

Wie Voreingenommenheit unsere Wahrnehmung stört

| Olga Damigella

Voreingenommenheit – vorgefertigte Meinungen – fälschliche Annahmen – dies alles umschreibt das unter Marketing-Experten bekannte englische Wort „Bias“ (Pl. „Biases“). Drei von diesen Expert*innen lassen wir für Sie in diesem Beitrag zu Wort kommen und rücken ihre interessanten Erkenntnisse einmal in die Diskussion.

„Wir gehen immer vorurteilsfrei an unser Publikum heran – schließlich möchten wir so viele Besucher wie nur möglich erreichen!“, mögen die meisten Kultureinrichtungen entgegnen. Ja, und ebendarum kommen wir unbewusst zu genau den falschen Schlüssen, erklärt die Marketing-Expertin Colleen Dilenschneider in ihrem Blog.

Die größten Fehler, die ein Kulturunternehmen daher machen kann, so Dilenschneider, liegen in den folgenden Punkten begründet:

  • Selbstbestätigte Annahmen,
  • Konservatismus-Annahmen und
  • die sogenannte Insider-Perspektive

„Wochentagsrabatte und Freikartenaktionen funktionieren in unserem Haus wunderbar – ich selbst konnte schon gezielt Personen beobachten, die eher der ‚schlechtverdienenden Gesellschaftsschicht‘ angehören und nur aufgrund der Rabattaktion unsere Einrichtung aufgesucht haben.“ Was ist von solch einer Aussage zu halten? Woran erkennt man denn die „Schlechtverdiener“ unter den Kunden? An der Kleidung? Am Benehmen? „Ein typisches Beispiel für eine selbstbestätigte Annahme“, führt Dilenschneider weiter aus.

Unter „Konservatismus-Annahmen“ fallen Aussagen wie: „Seit 20 Jahren drucken wir unsere Newsletter und versenden sie postalisch – unsere Kunden kennen und erwarten einfach diesen Service von uns – wieso jetzt auf andere Methoden umsteigen?“ Sich auf bewährte Methoden zu verlassen, vermittelt auf den ersten Blick ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle – dahinter verbirgt sich jedoch meistens die Angst, neue Wege zu gehen, damit womöglich zu scheitern und sich erneut auf die Suche begeben zu müssen. „Es ist gut, Erfolge zu feiern und auch Fehlentscheidungen zu beklagen, aber es ist nicht gut, zu sehr beim einen oder beim anderen zu verweilen“, fügt der Marketing-Experte Jim Hekkers hinzu. Er spricht sich vielmehr dafür aus, bewährte Konzepte alle fünf Jahre grundlegend zu überdenken – ganz nach dem Grundsatz „Was heute richtig ist, muss morgen durchaus nicht mehr richtig sein.“ (Den gesamten Artikel können Sie hier nachlesen).

Auch die „Insider-Perspektive“ verblendet die unvoreingenommene Sicht auf unser Publikum. „Natürlich kenne ich mein Publikum – ich weiß, welche Themen es beschäftigt und welche Diskurse ich führen muss, damit es sich weiter angesprochen fühlt – gerade das junge Publikum!“. Doch wie steht es mit den Fakten? Gibt es belegte Zahlen? Gibt es konkretes Feedback? Wie kanalisiere ich mein Feedback? Der Schlüssel liegt laut Dilenschneider darin, sich noch intensiver mit dem eigenen Publikum auseinanderzusetzen – es wirklich verstehen zu lernen und dazu zu ermutigen, eine entscheidende Rolle dahingehend einzunehmen, uns, den Kulturexpertinnen und -experten, zu helfen, interessant zu bleiben.

Die Publikumsspezialistin Aubrey Bergauer hebt eine weitere Trübungsfalle hervor – „Das Gesetz der kleinen Zahlen“. Meint das sich Verlassen auf anekdotische Ergebnisse statt auf aussagekräftige Daten. „Für das eine Video haben wir doch zwei tolle Rezensionen erhalten!“ – ja und weiter? Wie viele Minuten wurden durchschnittlich angeschaut? Wie oft wurde das Video in Relation zu anderen Videos angeklickt? Wie viele „Likes“ hat es tatsächlich geerntet? Bergauer rät, sich nicht von anekdotischen Werten täuschen zu lassen – schließlich „haben wir alles, was wir brauchen, zur Verfügung – wir müssen nur lernen, unsere Daten in richtiger Weise auszuwerten!“ – Das ist also das Geheimnis (lesen Sie den gesamten Beitrag hier in Originalsprache nach).

Die vollständigen englischen Artikel von Colleen Dilenschneider finden Sie hier zum Nachlesen:

https://www.colleendilen.com/2018/06/05/three-cognitive-biases-among-cultural-professionals-skew-thinking/

https://www.colleendilen.com/2017/07/05/forgetting-industry-experts-biased-perspectives-hurts-cultural-organizations/

 

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